Mai 5, 2008 – 11:50 am
Laut Definition des Begründers Osborn gliedert sich klassisches Brainstorming in zwei Phasen. Vorab wird eine Gruppe von 5-15 Personen bestimmt. Eine, für die Problemstellung angepasste Zusammenstellung bietet sich an. Zunächst werden spontan Ideen zur Problemlösung gesammelt. Idealerweise werden Ideen weitergesponnen oder fließen in andere Beiträge ein bzw. werden mehrere Einfälle kombiniert. Kritik und Wertung der Ideen findet nicht statt, auch total abwegiges darf frei geäußert werden. Nur so bildet sich eine breit aufgestellte Sammlung an Lösungen heraus. Alles wird protokolliert. Ein Brainstorming sollte 30 Minuten nicht übersteigen.
In der zweiten Phase gliedern die Teilnehmer oder eine Jury sämtliche Ideen und Lösungen nach Thema bzw. sortieren irrelevantes aus. Fertig ist der Ideenpool…
Ein Brainstorming kann moderiert werden, in jedem Fall sollte das Problem anschaulich verdeutlicht und auf den Punkt gebracht werden. Bihser angewendete Lösungen, aber auch schon erhaltene Vorschläge können ebenso in die Einführung einfließen.
Das Modell bietet Platz für Kritik. Eingegebene Ideen anderer, die Zusammenstellung des Teams und gegenseitige Blockade verhindert einige gute Ergebnisse. Das typische Teamproblem tritt in Erscheinung, man muss sich zurücknehmen und warten. Außerdem fehlt den meisten Runden frischer Wind durch Externe, Laien, Fachfremde oder betriebsfremde Profis. Festgefahrene Denkstrukturen und Firmenpolitik verhindern einen unverdorbenen objektiven Blick auf den Problemkern. Vor allem ist ein Brainstorming in der Lage Konflikte in einer Gruppe zu schüren, handelt es sich nicht zuletzt um einen Ideenwettbewerb und Teilnehmer mit üblichen menschlichen Schwächen wie Eitelkeit, Egoismus, Redefluss etc. Auch wird viel Ausschuss produziert, welcher die Selektion aufwändig gestaltet. Jedes Brainstorming und die folgende Problemlösung sind abhängig von Ort, Teilnehmern, Uhrzeit, allgemeiner Befindlichkeit und äußeren Umständen. Dies sieht wer zweimal das selbe Problem zur Lösung stellt.
BONSPIN setzt sich aus mehreren Gründen über einige Regeln des klassischen Brainstorming hinweg, optimiert, erweitert oder vereinfacht im Gegenzug den Ablauf. Die Unterschiede sind schnell festzumachen:
Bedungen durch das Medium Internet sitzt die Gruppe nicht an einem Ort, außer man definiert das Www als solchen.
Der Zeitraum für das Brainstorming wird extrem ausgeweitet auf bis zu acht Wochen.
Statt maximal 15 Teilnehmern finden sich wesentlich mehr Ideenliferanten ein. Auch handelt es sich um eine immer wieder andere Teamzusammenstellung, wobei sich die Teilnehmer untereinander in den seltensten Fällen kennen.
Vor allem gibt es einen Fragesteller, welcher im laufenden Prozess Bewertungen abgibt, bzw. durch Kommentare Einfluss auf den Verlauf nimmt und im Nachhinein sogar eine subjektive Bewertung der Ideen durchführt.
Die Ideen sind teilweise wesentlich ausformulierter, als in einem schnellen “reale Welt”-Brainstorming.
Einige Änderungen sind der Online-Realität geschuldet, andere Punkte sind bewusst getätigte Veränderungen, um Probleme der ursprünglichen Variante aufzuheben. Durch den längeren Zeitraum kommt es nicht mehr auf die jeweilige Verfassung des Ideengebers an. Dieser kann sich exakt dann einbringen, wenn seine Ideen sprudeln. Niemand muss warten, bis jemand ausgeredet hat. Die Protokollierung findet durch die schriftliche Eingabe quasi nebenbei statt. Die große Teilnehmerzahl ist sehr durchmischt und bietet verschiedenste Perspektiven zu einer Fragestellung, wobei der Zeitaufwand für jeden Einzelnen verschwindend gering ist.
Das Belohnungsprinzip widerspricht der klassischen Variante nur auf ersten Blick, findet es ja erst hinterher statt. Die erhaltenen Punkte (vor durch verschiedene Bonzen verteilt) qualifizieren einen Spinner und machen ihn interessant für folgende Projektrunden mit ausgewähltem Spinnerkreis. Außerdem findet so - im Www leider noch eine Besonderheit - eine Homorierung für Beiträge statt.
Vielleicht sind gewisse Regeln von Osborn auch fehlenden Möglichkeiten und der Durchführbarkeit in realer Runde geschildert. Die anformulierten Ideen bei BONSPIN jedenfalls, verlieren nicht ihre Spontanität und sind doch qualifiziertere Beiträge als einfach nur Salven von Wortfetzen.
Die Wertung eines laufenden Projekts verändert mit Sicherheit das Ergebnis, lenkt es aber vor allem ein wenig in die gewünschte Richtung. Abwegiges wird nicht von vornherein ausgeschlossen und oft sogar positiv gewertet.
Bleibt im Fazit zu sagen, das BONSPIN sich nach Definition etwas neben einem Brainstorming positioniert. Als Kreativitätstechnik wird sich aber einigen klassischen Instrumenten bedient. Zusätzlich sind komfortable Zusatzelemente und Strukturhilfen installiert und eine viel größere Hirnleistung wird angezapft.
Kritik und Anregungen sind auf jeden Fall nich unerwünscht, denn besser geht immer.
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